Forum: Bildrechte

Fotos mit Kindern & Jugendlichen

Fotos mit Kindern & Jugendlichen

von Oliver Streppel -
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Nun arbeiten manche mit Kindern und Jugendlichen und wollen hier ein paar Fotos für die Homepage machen. Wie sieht es hier mit der Abbildungserlaubnis aus?


  • Wen muß ich um eine Abbildungserlaubnis fragen, wenn ich mit Minderjährigen arbeite? Hierzu die Kollegin: „Ist der Abgebildete minderjährig, bedarf es zusätzlich der Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters (vgl. BGH, NJW 2005, 56). Dies sind im Regelfall gemäß § 1629 BGB die sorgeberechtigten Eltern. Leben Eltern, denen die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, nicht nur vorübergehend getrennt, so ist bei Entscheidungen in Angelegenheiten, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, ihr gegenseitiges Einvernehmen erforderlich (§ 1687 BGB). Nach der Rechtsprechung des OLG Oldenburg (NJW-RR 2018, 1134) handelt es sich zumindest bei der Veröffentlichung von Fotos eines Kindes getrenntlebender gemeinsam sorgeberechtigter Eltern auf einer kommerziellen Zwecken dienenden Internetseite um eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung i.S.v. § 1687 Abs. 1 Satz 1 BGB. Wir raten daher dazu, in jedem Fall die Einwilligung beider sorgeberechtigter Eltern einzuholen. „
  • Aber ab wann ist denn nun nach deutschem Recht jemand Minderjährig? Alles unter der Vollendung des 18ten Lebensjahres? Und was bedeutet das für mich als Fotografen? Hierzu die Kollegin: „Das deutsche Recht kennt keine starren Altersgrenzen oder sonstige verbindliche Vorgaben speziell für die Einwilligungsfähigkeit Minderjähriger. Die Einwilligung eines Minderjährigen ist dann wirksam, wenn dieser mit Blick auf die informationelle Selbstbestimmung als grundrechtsmündig angesehene wird, d.h. wenn er über die für die Erteilung der Einwilligung notwendige Einsichtsfähigkeit verfügt. Der Minderjährige muss demnach Bedeutung und Tragweite der abgegebenen Erklärung verstehen können. Die Einsichtsfähigkeit des Minderjährigen bestimmt sich nach den Umständen des Einzelfalls. Sie lässt sich nicht pauschal bestimmen. Als grobe Orientierungshilfe, die jedoch nicht von einer Einzelfallprüfung entbindet, kann davon ausgegangen werden, dass etwa ab Vollendung des 14. bzw. 15. Lebensjahres häufig die Einsichtsfähigkeit des Minderjährigen gegeben sein wird (Sydow, Europäische Datenschutzgrundverordnung, Artikel 8 Rn. 2ff.). Demzufolge ist ab diesem Alter neben der Einwilligung des gesetzlichen Vertreters wohl in der Regel auch die Einwilligung des Minderjährigen erforderlich (Simtis, § 4a BDSG Rn. 30; Schricker/Loewenheim, § 22 KunstUrhG Rn. 42).“  

Welche alternativen gibt es, wenn ich keine Abbildungserlaubnis habe? 

  • Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder man erzeugt während einer Veranstaltung Fotos, bei denen Individuen nicht individuell erkennbar sind. Also kann man zum Beispiel Kinder beim Spielen von Hinten fotografieren. Oder Die Kinder tragen Schirmmützen, so dass das Gesicht nicht erkennbar ist. Wichtig ist hier noch einmal die Anmerkung aus Referat 6a: „Entscheidend für das Vorliegen eines Bildnisses ist die Erkennbarkeit des einzelnen Abgebildeten. Erkennbar ist eine Person in der Regel durch ihre Gesichtszüge, doch können auch sonstige Merkmale, die einer Person eigen sind, zur Erkennbarkeit führen (z.B. anhand typischer Haartracht). Die Erkennbarkeit kann sich auch aus begleitenden Umständen, wie anderen Bildeinzelheiten ergeben. Insgesamt ist ausreichend, dass der Abgebildete begründeten Anlass zu der Annahme hat, er könne als abgebildet identifiziert werden. Abzustellen ist auf die Erkennbarkeit durch den Bekanntenkreis des Abgebildeten (Dreier/Schulze, UrhG, § 22 Rn. 4).“ 
  • Alternativ gibt es die Möglichkeit auf Personen ganz zu verzichten und nur Räumlichkeiten zu verwenden. Wobei man hier natürlich darauf achten muß, das man nicht weitere Urheberrechtsverletzungen begeht. Wenn ich zum Beispiel den Raum mit laufender Präsentation eines Redners fotografiere, sollte ich die Einverständniserklärung des Referenten haben, dass ich Teile seiner Präsentation auch fotografieren darf. Ähnliches zählt bei Aushängen, Postern, Plakaten, etc. 
  • Eine weitere Möglichkeit sind so genante Stockfotos. Also Fotos aus einer Bilddatenbank. So kann man bei http://www.pixabay.com sich kostenlose und Lizenzfreie Bilder downloaden oder über Plattformen wie Canstockfoto günstig Fotos und derren Lizenzen erwerben. 

Was passiert aber nun, wenn ich angezeigt worden bin, weil ich anscheinen ein nicht freigegebenes Foto verwendet habe? 

  1. Tip: Schnell handeln. Denn in der Regel sind hier knappe Fristen gesetzt. 
  2. Rechtsbeistand einholen, zum Beispiel beim Dezernat 6a 2. 
  3. Falls es einen verstoß tatsächlich gab, diesen unverzüglich entfernen. 

Einen interessanten Beitrag gibt hierzu vom Medienkompass: https://medienkompass.de/abmahnung-erhalten-was-tun/

Gibt es noch mehr Quellen die ich empfehlen kann?

Ja. Auch beim Medienkompass. Der Medienkompass ist der offizielle Medienblog des evangelischen Medienhauses in Stuttgart. Hier wird im Beitrag von Hanna Subski noch einmal kurz auf die Verwendung von Bildern im Internet eingegangen. Der Link ist hier: https://medienkompass.de/bilder-im-internet-rechtslage/

Zudem gibt es noch eine Weiterbildungsmaßnahme als E-Learning. Diese wurde mit dem Referat 6 Recht der evangelischen Landeskirche entwickelt und geht noch einmal tiefer auf die Rechtsfragen ein. Der Link dazu ist hier: https://www.lernplattform-kirche.de/

Ansonsten bleibt mir an dieser Stelle nur Dankeschön an die Juristin im Ev. Oberkirchenrat, Ref. 6a.2 für das Interview zu sagen.